Grandiose Massenszenen und Momente
Alles ist um einiges größer als die gewohnt großen Veranstaltungen des Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasiums. Aber schließlich gönnt man sich eine Musical-Produktion in der Regel nur alle vier Jahre. Oder vielmehr: Mehr ist zum normalen Schulbetrieb nicht möglich. Was dann herauskommt, kann sich sehen und hören lassen. Und so gab es bei der Premiere von „Made in Dagenham“ am Dienstagabend in der Stadthalle zuletzt verdiente Standing Ovations.
Das Musical greift mit dem realen Streik von Arbeiterinnen des Ford-Werks im Londoner Stadtteil Dagenham ein ernstes Thema auf: 1968 ging es den Frauen, die schlechter als ihre männlichen Kollegen behandelt wurden, zunächst um gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Es wurde auch ein Kampf um Gleichberechtigung. Damit schlägt das Musical eine Brücke in die Gegenwart und zur nach wie vor aktuellen Problematik von Gender-Pay-Gap, Benachteiligung von Frauen und ungleichen Karrierechancen. Umso trauriger wirkt das noch immer nicht gelöste Problem angesichts von so vielen Schülerinnen auf der Bühne, die in wenigen Jahren mit vergleichbaren strukturellen Missständen konfrontiert werden wie die Frauen Ende der 1960er Jahre.
Den Spaß an der Musical-Produktion nahm das den weiblichen wie männlichen Akteuren zum Glück nicht. „Made in Dagenham“ offenbarte einmal mehr das enorme Talent innerhalb der Schülerschaft, sei es im Bereich Schauspiel, Gesang, Tanz oder Musik.
Stimmliche Leistungen begeisterten das Publikum
Etliche stimmliche Leistungen begeisterten das Publikum, und Marc Nestele bekam am Dienstagabend sogar Sonderapplaus, nicht nur von Freunden, sondern vom ganzen Saal. Das soll die Leistung seiner Bühnen-Ehefrau und Hauptdarstellerin Carina Mayer nicht schmälern. Sie schaffte es schließlich, über das komplette Stück hinweg präsent zu sein und mit ihren Emotionen immer wieder die Stimmung zu tragen. Mal keck agierend, mal eingeschüchtert von der Tragweite ihrer Handlungen oder auch zutiefst betrübt: Mayers Spiel war essenziell für die Vermittlung der wichtigen Inhalte. Umso mehr beeindruckte der männliche Teil des Ensembles, der mit einer Reihe toller Rollen aufwartete, die seine Darsteller gut ausfüllten.
Absolut beachtlich war zudem das Bühnenbild: Auf einer LED-Wand wurden oft sogar animierte Kunstwerke als jeweilige Szenerie eingeblendet. Weitere Ausstattungsgegenstände wurden dazugestellt. So konnte der Betrachter unmittelbar in Wohnzimmer, Arbeitsräume im Ford-Werk oder sogar Londons Houses of Parliament samt der Oliver-Cromwell-Statue davor eintauchen. Dass die Musik ein Übriges tat, um mitzureißen oder Stimmungen mal zu beschwören, mal zu untermalen, versteht sich von selbst.
Herausgekommen ist nach einem Jahr Vorbereitungszeit ein Gesamtkunstwerk zum Hören und Bestaunen. Man darf mitgehen, mitschwingen und fast schon mitweinen. Irgendwie hofft der Zuschauer trotz des Wissens, dass sich seit 1968 Einiges geändert hat, mit den Frauen mit. Das Finale lädt zudem ein, noch einmal mit den Streiterinnen von einst aufzustehen und für Gleichberechtigung einzustehen. Zu dick aufgetragen? Leider nein. Aber da ist ohnehin schon jede und jeder im Publikum gepackt und angesteckt von dem wichtigen Anliegen. Doch wie die Hauptfigur Rita zuvor schon betont hat: „Es geht nicht um Männerhass!“
Noch gibt es Karten für „Made in Dagenham“ an der Abendkasse, vor allem für Donnerstag, 16. Juli, aber lediglich einige Restkarten für Freitag, 17. Juli. Die Aufführungen in der Stadthalle Moosburg starten um 19.30 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.




































