Flug in die Stratosphäre
Am 28.07.2026 starteten wir um 9:50 Uhr bei bestem Wetter bereits zum sechsten Mal (!) einen Stratosphärenballon von unserem Schulhof. Drei Schülerteams zu je vier Teilnehmerinnen, bzw. Teilnehmern (aus den zehnten, neunten und siebten Klassen) überlegten sich, begleitet von den Lehrkräften Jens Homfeld, Andrea Koslow und Christian Theis, spannende Experimente und tüftelten wochenlang – oft nach dem Unterricht am Nachmittag – an ihrem Stratosphärenprojekt. Besonders müssen hier das Durchhaltevermögen und die hohe Motivation unserer Schülerinnen und Schüler gelobt werden.
Auch wenn wir seit dem ersten Start 2022 deutlich an Erfahrung gewonnen haben (die damaligen Teilnehmer haben übrigens in diesem Jahr Abitur gemacht!), so war auch dieser Start wieder Nervenkitzel pur. Standen im letzten Jahr bei den zwei Starts mit den Sechstklässlern der MINT-Klasse biologische Experiment im Fokus, so war diesmal die Wirkung des Lichts und der tiefen Temperaturen in der Stratosphäre die große Überschrift der Versuche.
Die Experimente stellten uns vor völlig neue Herausforderungen, da diesmal zur Vorbereitung der Sonde in einer Dunkelkammer gearbeitet werden musste. Es sollte nämlich Film von kosmischer Strahlung, bzw. UV-Strahlung belichtet werden und um die Messungen nicht zu verfälschen, durfte zuvor kein Licht an die Filme gelangen. Konkret haben die Schüler hierfür Polaroid und Kodak Gold 200 verwendet. Zudem wurde auch die Wirkung von UV-Licht auf Oberflächen untersucht, die mit unterschiedlichen Farben beschichtet wurden. Um seriöse Aussagen über die UV-Wirkung machen zu können, wurde natürlich eine Kontrollprobe erstellt, die auf der Erde blieb.
Aber auch materialwissenschaftliche Fragestellungen sollten beantwortet werden, indem das Ausdehnungsverhalten verschiedener Kunststoffe in Abhängigkeit der Temperatur untersucht wurde. Durch die mitgeführten Sensoren konnte die Außentemperaturen (der Tiefstwert lag übrigens bei -56,9°C!) während des Fluges ermittelt und mit den Videoaufnahmen der Materialproben verglichen werden. Auch Knicklichter wurden während des Fluges gefilmt, wodurch die Frage beantwortet werden sollte, ob diese in den Widrigkeiten der Stratosphäre einen Teil ihrer Funktionstüchtigkeit einbüßen. Hierzu wurden auch Kontrollproben auf der Erde gefilmt.
Unsere Siebtklässler im Team untersuchten die Gefrierfähigkeit von Salzwasserlösungen unterschiedlicher Konzentration. Die Videoaufnahmen in Kombination mit den Messwerten des Temperaturfühlers ergaben hierbei eindeutige Ergebnisse. Als „klassischer Versuch“ wurde auch ein Marshmallow mit auf die Reise geschickt, um dessen Expansion aufgrund des niedrigen Luftdrucks der Stratosphäre zu beobachten.
Der Flug des Stratosphärenballons verlief im Wesentlichen wie vorhergesagt, zunächst fast bis Burghausen, dann eine Kehrtwende in Richtung München und zuletzt – nach einer erneuten Kehrtwende - die Landung ein paar Kilometer vor Trostberg. Vorbei „Landung“ wohl eher durch „Absturz“ ersetzt werden sollte, da sich der Fallschirm mit den Ballonresten beim Platzen in 35700m Höhe verhedderte und die Sonde daher etwas unsanft mit rund 70km/h auf einem Acker auftraf. Zum Glück waren aber alle Geräte intakt und alle benötigten Messwerte konnten erfolgreich geborgen werden.
Jetzt steht die Analyse vieler Messdaten sowie Filmmaterial im Umfang mehrerer Stunden, bzw. hunderten Gigabyte an. Aus all dem müssen sich dann für die jeweiligen Experimente schlüssige Aussagen ergeben, die dann nicht nur eine Vorstellung der Ergebnisse in der Schule, sondern auch eventuelle Teilnahmen bei „Jugend forscht“ ermöglichen. Es gibt also noch viel zu tun und nachdem in diesem Schuljahr kaum noch Zeit blieb, wird der Großteil der Auswertung im kommenden Schuljahr 2026/27 stattfinden.
Alle Beteiligten danken dem Sponsor „Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe e.V.“ für die großzügige Finanzierung des Projekts! Wir freuen uns bereits heute auf zukünftige, spannende Stratosphärenflüge, gestartet von unserem Schulhof.










